Alles nach Plan? Die Weltjugendtage beginnen…

Mein Tag startet mit dem Klopfen meiner Gastmutter Marcela an der Tür zum Zimmer indem ich schlafe. Da ich sowieso schon wach bin (so richtig erklären kann sich mein Körper die Reiserei noch immer nicht), gehen mein polnischer Gastbruder und ich los, um uns den Sonnenaufgang über der Skyline von Panama Stadt anzuschauen. Ein paar Straßenecken weit müssen wir gehen, vorbei an gut umzäunten Einfamilienhäusern, Kokosnusspalmen und blühenden Büschen. Wir sind in einem kleinen Park auf einem Hügel von dem aus uns gefühlt die ganze Stadt zu Füßen liegt… Zu unserer Rechten hinter bewaldeten Hügeln der Panama-Kanal, geradezu erst schmale Dächer und viele Gärten, dann immer mehr Hochhäuser, über denen Möwen kreisen. Zur Linken können wir durch eine schmale Lücke in der Skyline den Pazifik sehen. Über alldem geht langsam die Sonne auf, die Geräusche der Stadt werden lauter und es sieht alles nach einem ganz normalen Tag aus. Doch an diesem Tag beginnt in Panama Stadt der Weltjugendtag 2019! Was ich morgens noch nicht weiß: Dieser Tag hält für mich Umarmungen mit wildfremden Menschen, einen sehr schönen Gottesdienst mit dem Padre General der Jesuiten, ein Feuerwerk, freudige Wiedersehen in der Stadt mit neugewonnenen Freunden und einen nächtlichen Tropenwaldspaziergang bereit. Die Eröffnungszeremonie zu den Weltjugendtagen ist mit den vielen jungen Menschen um mich herum wirklich beeindruckend, gerade wenn alle 200.000 Menschen gemeinsam singen. Dass der Tag so wird, wie er verlaufen ist, konnte ich weder wissen noch planen. Trotzdem versuche ich morgens immer wieder aufs Neue den Tag durchzuplanen. Darüber habe ich mit meinem Gastvater Frederico gesprochen.
Er hat mir dazu folgendes gesagt: „If you want to tell god a joke, make a plan for the day.“ Da sie eigentlich nie umgesetzt werden können, haben Pläne in der Gruppe und bei mir selbst oft früher oder später zu Missverständnissen, Diskussionen oder Unzufriedenheit geführt. Leute müssen warten, das Mittagessen fällt viel mickriger aus, als erwartet, der Bus bleibt im Stau stecken oder mein Fieber in den ersten zwei Tagen in Panama zwingt mich, im Bett zu bleiben. Sind das aber Gründe sich zu ärgern oder aufzuregen?

Ein Beispiel: Ich sitze ich gerade an der Isla Perico, einer künstlich aufgeschütteten Halbinsel unweit der Stadt, wo ich soeben meine Fähre verpasst habe. Die hätte mich mit Freunden zu einer weiteren Insel bringen sollen. Meine Freunde sind gefahren ich bin geblieben. Jetzt könnte ich mich aufregen darüber, dass ich nur noch vier Dollar dabei habe, dieses tolle Erlebnis verpasse, meine Freunde nicht erreichbar sind… aber auf der anderen Seite sitze ich jetzt in der Sonne am pazifischen Ozean und habe die Skyline von Panama City vor mir. Das erste Mal seit zweieinhalb Wochen genieße ich die Ruhe und habe wirklich Zeit für mich. Vielleicht braucht es in uns also einfach das Vertrauen, die Situationen anzunehmen wie sie sind, mit ihnen zu leben. Ein Tag entwickelt sich vielleicht ganz anders, als es unsere Pläne vorgesehen haben. Das was uns ärgert, ist jedoch oft nicht die Situation selbst, sondern die enttäuschte Erwartung. Warum also nicht einfach den Moment genießen oder wenigstens das Beste daraus machen? Etwas anderes bleibt einem ja meist sowieso nicht übrig. Deshalb nehme ich mir für die weitere Reise vor, offener in jeden Tag zu gehen, einem Rahmen zu folgen, aber nicht zu versuchen die Dinge zu kontrollieren. Vertrauen macht glücklicher und entspannter.
So, die Möwen haben es aufgegeben die Kokosnuss unten am Wasser zu knacken und ich mache mich mit dem Bus auf den Weg zurück zur Stadt. Mal sehen, was der Tag so mit sich bringt.

Johannes, 21, Berlin

eigentlich ganz schön hier am Wasser
so viele Menschen friedlich beisammen
die Sonne geht auf über Panama Stadt
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