Huehue – Wie wir Land und Leute kennengelernt haben

Als wir Guatemala-Stadt den Rücken gekehrt haben, war uns klar, dass das, was uns in den kommenden Tagen erwarten würde, eine ganz neue, ganz eigene Erfahrung sein würde. Voller Erwartungen haben wir uns daher in den Bus gesetzt, wurden aber schnell von der Politik eingeholt: Die Straßen nach Huehuetenango (für die Guatemalteken kurz Huehue) waren aufgrund eines Streiks blockiert und daher mussten wir gleich nach dem Start unserer Reise einen Zwischenstopp in Antigua machen. Das hat der Stimmung in unserer Gruppe aber keinen Abbruch getan, kleine Planänderungen gehören zum Reisen einfach dazu. Nach ein paar Stunden ging es dann tatsächlich los zu unserem Projekt nah an der Grenze zu Mexiko.


Ziel des Experiments war es, das Leben der Menschen mitzu(er)leben. Dementsprechend waren wir direkt bei einer Familie in einem kleinen Ort untergebracht. Die Lage direkt in den Bergen, die Vegetation mit Kiefern und Obstbäumen und auch das sehr angenehme Klima ließ bei uns Erinnerungen an die Pyrenäen aufkommen. Die Unterschiede zum Süden Europas waren aber mehr als augenfällig: Wo eigentlich seit mehreren Jahren eine Straße gebaut hätte werden sollen, gab es nur eine Schotterpiste. Ein Hoch auf die Korruption!

Mehr als ein Lichtblick waren da der Priester dieser weit gestreckten Gemeinde und die Familien, die unsere Gastgeber für die nächsten Tagen sein sollten. Ersterer hat das ganze Projekt im Rahmen des MAGIS-Programms aus der Taufe gehoben und für die nötige Zustimmung innerhalb der Gemeinde gesorgt. Die Vorbehalte waren wohl am Anfang recht groß, was auch zu tun hat mit der eher reservierten Haltung gegenüber Dingen, die mit der Regierung in Zusammenhang gebracht werden. Wir haben davon jedoch überhaupt nichts gespürt, sondern wurden mehr als herzlich aufgenommen.


Das Leben in den abgelegenen Dörfern ist geprägt von Landwirtschaft, Familie und Glauben. Wirklich ergiebig ist der Boden in der Region nicht, weshalb hauptsächlich mit dem Verkauf von Kaffeebohnen das Einkommen der Familie gesichert wird. Aber auch der Geldtransfer von Familienangehörigen, die vor allem in den USA Tätigkeiten nachgehen, ist eine Hilfe. Unsere Gastfamilie lebt in sehr einfachen Verhältnissen: Strom ja, fließendes Wasser nein. Und daran, dass jedes der Kinder ein eigenes Zimmer haben könnte, war auch nicht zu denken. Die Kinder waren dennoch so voll Freude, gerade als sie uns abends ihr musikalisches Können vorgeführt haben, waren sie ganz in ihrem Element. Und auch wir hatten eine Menge Spaß!


Dass der Glaube eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielt, haben wir nicht zuletzt daran gemerkt, wie oft und intensiv sie im Gebet vertieft waren. So sind wir gemeinsam zu mehreren befreundeten Familien gegangen, bei denen in Andachten beispielsweise für die Unterstützung bei Krankheit oder für frisch Vermählte gebetet wurde. Zwei bis dreimal die Woche werden solche Andachten abwechselnd abgehalten, wobei allein der Weg dorthin den sprichwörtlichen Gang nach Canossa als Kleinigkeit erscheinen lässt. Für uns auch sehr ergreifend war eine junge Frau, die vor der Statue der Jungfrau von Chiantla kniend um die Hilfe Gottes gebetet, ja fast schon gebettelt hat. Wirklich gelebter Glaube!

Und so kommen wir jetzt zurück in die größte Stadt des Landes mit einem Rucksack voll von Eindrücken. Beeindruckt hat uns insbesondere die außergewöhnliche Kraft der Menschen durch und das Vertrauen auf die Hilfe und Unterstützung Gottes. Bleibt die Frage: Haben auch wir so ein Vertrauen?

Autor: Timo, 30 Jahre aus Bonn

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