Mehr Veränderung wollen und wagen!

Die ersten Tage in Guatemala liegen hinter mir und ich bekam schon einen ersten Eindruck von dem Land und besonders von den Leuten. 

Angefangen mit einem sehr herzlichen Willkommen in meiner Gastfamilie, über wirklich sehr feines, typisches und üppiges Essen, bis hin zu lebendigen und bereichernden Gesprächen starteten wir gemeinsam am Montag zu unseren Experimenten. Dabei brachen wir in verschiedenen Gruppen in mehrere Orte auf. Meine Gruppe bestand aus Brasilianern, Ecuadorianern, Ungarn, Guatemalteken und zwei Deutschen.

Unser gemeinsamer Weg führte uns nach Antigua Guatemala, der ehemaligen Hauptstadt Guatemalas. Sie wurde 1543 gegründet und in den darauffolgenden 200 Jahren zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Mittel- und Südamerikas. 
Das Eintreffen in Antigua machte sich sofort durch Ruckeln im Bus bemerkbar, das dem Kopfsteinpflaster, welches die ganze Stadt ziert und ihr einen ganz besonderen Charme verleiht, geschuldet war. Doch der guten Stimmung im Bus tat das keinen Abbruch. Als wir durch Antigua gehoppelt waren, wurden wir in der Universität Rafael Landivar mit einer kleinen Stärkung empfangen und anschließend in Gastfamilien und in einen Konvent aufgeteilt. 

Am kommenden Tag besuchten wir Santa Maria. Santa Maria ist ein kleines Bergdorf im Umland von Antigua und zeichnet sich dadurch aus, dass dort ein besonders hoher Anteil (90%) an Ureinwohnern lebt. 
Ein Markt, der direkt vor der Kirche aufgebaut war, faszinierte mich ganz besonders durch sein rasches Treiben, die verschiedenen Gerüche von frisch gebratenem Fleisch und Fisch und dazu alle erdenklichen bunten Farben an Gemüse, die einen bunten Teppich links und rechts am Wegesrand bildeten.

Nach diesem Aufenthalt besichtigten wir eine kleine, sich hinter den Marktständen versteckenden, Physiotherapiepraxis. Als wir die Praxis betraten, wurde uns erklärt, dass hier ein Pilotprojekt gestartet wurde und Physiotherapie bis zur Eröffnung dieser Praxis hier gar nicht verbreitet war. Das Team eröffnet einerseits angehenden Physiotherapeuten die Möglichkeit in der Praxis zu lernen und andererseits zeigen sie ihren Patienten, wie diese ohne oder mit einfachsten Hilfsmitteln gegen ihre Beschwerden angehen können. Mich beeindruckte hier ein ganz besonders starker Wille zur Veränderung. Die Rahmenbedingungen sind wirklich nicht gerade optimal, um eine Praxis zu unterhalten und die Ausstattung mäßig und dennoch haben sie den Willen, etwas zu verändern und so den Einwohnern von Santa Maria ein MEHR an Leben zu ermöglichen. 

Diese Erfahrungen konnten wir auf einem kleinen Spaziergang durch das Dorf nachklingen lassen. Dabei kamen wir an öffentlichen Waschgelegenheiten vorbei und uns wurde vor Augen geführt, dass diese keine Relikte aus vergangenen Zeiten sind, sondern wirklich täglich benutzt werden, Wäsche zu waschen. Diese Form von Armut, konnte ich mir bisher nur vorstellen, aber erlebt und gespürt habe ich sie eben durch solche Erfahrungen. 

Unser Spaziergang endete bei einem lokalen Radiosender. Zu erkennen war er aber erst auf den zweiten Blick, als man sich durch den ersten, mit Weihnachtsschmuck verzierten Raum, hin zu einem fast versteckten Mischpult und Mikrofon gekämpft hatte. Die Verborgenheit dieses Lokalradios ist nicht umsonst, denn der Sender wurde offiziell verboten, da er von Privatpersonen geführt wird und somit nicht unter staatlicher Aufsicht steht. Das ließen sich die beiden Herren, die uns begrüßten aber kaum anmerken, sondern moderierten mit großer Freude ihr Radioprogramm. Uns gewährte man sogar einen kleinen Gastauftritt. Wir stellten uns kurz vor und sangen darauf sogar spontan, a capella Lieder, die den kleinen Raum füllten, ja fast schon zum Überquellen hinaus auf die Straße, brachten. Diese Freude und dieses Gefühl der Gemeinschaft konnten wir durch den Radiosender ein bisschen mit allen teilen, die uns zuhörten. Doch nicht nur die Gemeinschaft beeindruckte mich dort, es war wieder jener Wille zur Veränderung. Trotz Verbot des Senders, trotz Konfiszierungen der Sendegeräte von Seiten der Polizei, wird dieser Radiosender weitergeführt und das mit einer Freude und einem unglaublich starken Willen. All diese Widrigkeiten hielten die beiden Radiomacher nicht davon ab, an ihrem Traum von Veränderung festzuhalten und ihn durch den Radiosender zu verwirklichen. Im Gegenteil hatte ich das Gefühl, sie wurden darin bestärkt, dass das richtig ist und sie sich nicht unterkriegen lassen sollen. 

Während all diesen Erfahrungen, die ich hier machen konnte, stellte sich mir immer wieder die Frage „Was würde ich jetzt tun?“ und mir wurde dabei zunehmend bewusster, wie wertvoll das Streben nach mehr Veränderung ist und wie sehr uns der Wille und der Glaube daran antreiben und bestärken können. 

Autor: Pius, 19 Jahre aus Bühl

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